Category Archives: Hörbilder

Sexism sells

Von Jan Schilling

An einem Gerüst hängt ein Plakat für Balkonsanierung, der Slogan unter dem großflächigen Bild „Damit es schöner wird“ – bis hierher kein Problem, doch auf dem Bild ist kein Balkon oder der Blick ins Freie abgebildet, sondern das Dekolleté einer Frau. Das nervt Stevie Schmiedel gewaltig. Ihr Verein Pinkstinks setzt sich gegen Sexismus in der Werbung ein und nicht jeder ist davon begeistert. Jan Schilling hat Stevie Schmiedel in Hamburg besucht.

Deutschlandfunk, @mediasres vom 16. Januar 2018

News aus dem Knast

Von Jan Schilling

Twitter, Facebook, die schnelle Suche bei Google – der Computer ist heute wesentlicher Bestandteil der Recherche bei Journalisten. Die Redakteure der Zeitschrift „Lichtblick“ in Berlin können von solchen Möglichkeiten nur träumen. Denn sie geben die größte unzensierte Gefangenzeitschrift in Deutschland heraus, als Inhaftierte. Jan Schilling besuchte die Redakteure in der Justizvollzugsanstalt Tegel. Um die Rechte der Gefangenen zu schützen, sind die Originaltöne nachgesprochen.

Deutschlandfunk, “@mediasres” vom 21. Dezember 2017

Gestrandet im Maritim

Von Robert Dobe und Duška Roth

Als die Stadt Halle (Saale) 2015 das ehemalige Interhotel Maritim als Erstaufnahmeeinrichtung anmietet, um die vielen hundert Flüchtlinge unterzubringen, brennt in der ersten Nacht schon ein Auto. „Hätte ich in Afghanistan bleiben sollen bis ich sterbe?“ fragt der NATO-Dolmetscher Hamid. Er ist einer von 750 Flüchtlingen, die in der Immobilie zwischen Bahnhof und Markt wohnen.

Auch Nada und ihr Sohn Ahmad lebten dort. In ihrem syrischen Heimatdorf war sie die erste Frau auf den Demonstrationen gegen Assad. Jetzt schaut sie auf die wöchentliche Montagsdemo auf dem Marktplatz in Halle, die mit den Geflüchteten einen greifbaren Anlass zu Hetze gegen Weltpolitik, Stadtverwaltung und Islam gefunden hat.

„Wir werden uns schon aneinander gewöhnen“ sagt Hussein dazu. Er ist ebenfalls Syrer, aber floh aus Katar, weil er das Land verlassen musste und in Syrien Krieg herrscht. Für die anderen Flüchtlinge gibt er Sportunterricht und lernt Klavier.

Während weltweit so viele Menschen auf der Flucht sind wie niemals zuvor, kommen immer weniger Flüchtlinge nach Halle. Nada, Ahmad, Hussein und Hamid leben inzwischen in eigenen Wohnungen und das Maritim ist geschlossen. Das Feature blickt zurück und erzählt von der Entwicklung des Hauses, der Landtagswahl und dem Stadtgespräch. Über 2 Jahre haben die Autoren das Geschehen begleitet und porträtieren die Seele einer Stadt im Zeitalter der Globalisierung.

MDR Kultur/RBB Kulturradio, Feature vom 22. November 2017

Ausblicke auf die Stadt der Zukunft

Von Philipp Eins

Bereits heute leben rund 3,7 Milliarden Menschen in Städten, das ist die Hälfte der Weltbevölkerung. UN-Berechnungen zufolge gibt es im Jahr 2030 bereits fünf Milliarden Städter, viele von ihnen in immer riesenhafteren urbanen Zentren, sogenannten Megastädten. Auch in Deutschland prägt der Trend zur Stadt die Besiedlung; auf dem Land lebt nur noch jeder Dritte.

Entsprechend groß sind die Herausforderungen, vor denen der Lebensraum Stadt steht: Wasser- und Energieversorgung, saubere Luft, Arbeit, Wohnraum, Verkehr und Ressourcenmanagement, aber auch Sicherheit, soziales Miteinander, demografischer Wandel und Zuwanderung sind Handlungsfelder, auf denen sich die Zukunftsfähigkeit städtischer Regionen erweist.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zahlreicher Fachrichtungen befassen sich am KIT mit der Erforschung und nachhaltigen Gestaltung urbaner Räume. Podcaster Philipp Eins hat einige von ihnen getroffen – und danach gefragt, wie das Leben in der Stadt auch in Zukunft lebenswert bleiben kann.

Ein Corporate Podcast fürs Karlsruher Institut für Technologie vom 31. Juli 2017

Für eine Handvoll Euro

Von Philipp Eins

Mehr als 200.000 Flüchtlinge könnten dieses Jahr Italien über das Mittelmeer erreichen. Diejenigen, deren Antrag auf Asyl abgelehnt wird, müssen das Land theoretisch sofort verlassen – auf eigene Kosten. Das aber machen die wenigsten. Wer keine gültigen Dokumente hat, schlägt sich mit schlecht bezahlten Hilfsjobs oder als Erntehelfer durch. Die Stimmung ist angespannt. Während die Bewohner kleiner Küstenstädte auf Sizilien von den Flüchtlingen oft nichts mehr wissen wollen, profitieren Landwirte, Obstbauern und illegale Arbeitsvermittler von ihnen.

Deutschlandfunk Kultur, “Die Reportage” vom 2. Juli 2017

Vom Soldaten zum Start-up-Gründer

Von Philipp Eins

Iranische Atommeiler, britische Krankenhäuser, der deutsche Bundestag – mit jedem Hackerangriff wächst das Sicherheitsgeschäft. Warum gerade Start-Ups aus Israel bei der Cyber-Security weltweit vorne mitmischen, liegt auch an der Eliteeinheit 8200.

Sie ist eine der berüchtigtsten Abteilungen in der israelischen Armee. Die Soldaten hören ab und lesen mit, was nützlich sein könnte, ob Telefongespräche oder E-Mails. Sie vereiteln Cyber-Attacken und hacken sich in die Computer ihrer Feinde. Wer die Ausbildung durchlaufen hat oder es gar wie Yair Cohen zum Kommandeur gebracht hat, ist später auch in der Privatwirtschaft gefragt.

Deutschlandfunk Kultur, “Weltzeit” vom 31. Mai 2017

Leben mit Geräuschempfindlichkeit

Von Philipp Eins

Hundebellen, Lachen, Telefonklingeln, Weckerläuten oder laute Staubsauger – solche Geräusche gehören zum Alltag. Manche Menschen reagieren auf akustische Reize aber sensibler als andere. Wer unter Hyperakusis leidet, bei dem können Geräusche sogar Schmerzen auslösen. Betroffene ertragen es kaum, mit der S-Bahn zu fahren.

Drei Menschen erzählen, wie sie mit Lärm im Alltag umgehen: Ein Imbissbesitzer, der in der Einflugschneise eines Flughafens arbeitet. Eine Sozialpädagogin, die Geräusche schlecht filtern kann und zeitweise unter Hyperakusis leidet. Und ein Musiklehrer, der die Krankheit trotz Therapien nicht los wird.

SWR 2, “Tandem” vom 17.05.2017

New Yorks kubanische Musikszene

Von Philipp Eins

Über 135.000 “Cuban Americans” leben in der Metropolregion New York. Ihre Musik hat eine lange Tradition in der Stadt, sie reicht bis in die 30er- und 40-Jahre zurück. Jetzt sorgt die mögliche Kuba-Politik des nächsten US-Präsidenten Donald Trump für Diskussionsstoff. Philipp Eins war in der Musikszene New Yorks unterwegs und hat mit zerstrittenen Exilkubanern gesprochen.

Deutschlandfunk Kultur, “Weltzeit” vom 18. Januar 2017

Die Retter vom Mittelmeer

Von Philipp Eins

Obwohl die Balkanroute geschlossen ist, gelangen anhaltend viele Flüchtlinge über die zentrale Mittelmeerroute nach Europa. Bis zu 300.000 Menschen erwartet die Grenzschutzagentur Frontex allein in diesem Jahr. Viele von ihnen stammen aus Krisenländern wie Somalia oder Eritrea und sind zuletzt im nordafrikanischen Libyen gestrandet. Auch dort sind sie Willkür und Gewalt ausgesetzt – und nehmen die lebensgefährliche Bootsüberfahrt in Kauf. Einer von 37 Migranten überlebt die Passage nach Italien nicht.

Bei der Rettung Schiffbrüchiger helfen private Initiativen wie SOS Méditerranée. Seit Februar 2016 ist die Crew des Schiffs Aquarius im Mittelmeer unterwegs – und konnte bereits 2000 Flüchtlinge schützen. Derzeit kommen jede Woche 400 bis 600 Menschen an Bord, die anschließend von der Organisation Ärzte ohne Grenzen versorgt werden. Viele der Helfer gehen dabei selbst an ihre Grenzen.

Deutschlandfunk Kultur, “Die Reportage” vom 11. September 2016

Tamer Alawam und der syrische Krieg

Von Robert Dobe

Mit dem Krieg begannen die Kopfschmerzen. Tamer Alawam versuchte sie mit einem Schal zu bekämpfen, den er sich fest um den Kopf schnürte. Er sei abwesend gewesen in der Zeit, erschöpft und launisch, berichten seine Freunde. Tamers Asyl waren Halle und Berlin. Wie ein Geist lief der Regisseur und Aktivist manchmal durch die Straßen, in Gedanken bei seinen Freunden und Verwandten in Syrien.

Kurze Zeit später kehrt er selbst in sein Heimatland zurück, geht ins umkämpfte Aleppo, filmt Krieg und Zerstörung, interviewt Rebellen und Zivilisten. Bis ihn eine Granate trifft, tödlich.

Was trieb ihn an? Was war das Syrien seiner Träume?

MDR Kultur/RBB Kulturradio, Feature vom 28. November 2015