Category Archives: Hörbilder

Der zarte Protest aus Saigon

Von Philipp Eins

Die Kommunistische Partei hat Medien, Militär und 95 Millionen Vietnamesen fest unter Kontrolle. Aber 89 Jahre nach ihrer Gründung begehren junge Studierende in Saigon auf. Sie gehen auf die Straße für Umweltschutz und Meinungsfreiheit im Netz. Für einige von ihnen hat das Konsequenzen. Philipp Eins war in der südvietnamesischen Metropole unterwegs und hat junge Studierende und Mitarbeiter von NGOs getroffen.

Deutschlandfunk Kultur, Weltzeit vom 6. Februar 2019

Gestrandet im Maritim

Von Robert Dobe und Duška Roth

Als die Stadt Halle (Saale) 2015 das ehemalige Interhotel Maritim als Erstaufnahmeeinrichtung anmietet, um die vielen hundert Flüchtlinge unterzubringen, brennt in der ersten Nacht schon ein Auto. „Hätte ich in Afghanistan bleiben sollen bis ich sterbe?“ fragt der NATO-Dolmetscher Hamid. Er ist einer von 750 Flüchtlingen, die in der Immobilie zwischen Bahnhof und Markt wohnen.

Auch Nada und ihr Sohn Ahmad lebten dort. In ihrem syrischen Heimatdorf war sie die erste Frau auf den Demonstrationen gegen Assad. Jetzt schaut sie auf die wöchentliche Montagsdemo auf dem Marktplatz in Halle, die mit den Geflüchteten einen greifbaren Anlass zu Hetze gegen Weltpolitik, Stadtverwaltung und Islam gefunden hat.

„Wir werden uns schon aneinander gewöhnen“ sagt Hussein dazu. Er ist ebenfalls Syrer, aber floh aus Katar, weil er das Land verlassen musste und in Syrien Krieg herrscht. Für die anderen Flüchtlinge gibt er Sportunterricht und lernt Klavier.

Während weltweit so viele Menschen auf der Flucht sind wie niemals zuvor, kommen immer weniger Flüchtlinge nach Halle. Nada, Ahmad, Hussein und Hamid leben inzwischen in eigenen Wohnungen und das Maritim ist geschlossen. Das Feature blickt zurück und erzählt von der Entwicklung des Hauses, der Landtagswahl und dem Stadtgespräch. Über 2 Jahre haben die Autoren das Geschehen begleitet und porträtieren die Seele einer Stadt im Zeitalter der Globalisierung.

MDR Kultur/RBB Kulturradio, Feature vom 22. November 2017

Ausblicke auf die Stadt der Zukunft

Von Philipp Eins

Bereits heute leben rund 3,7 Milliarden Menschen in Städten, das ist die Hälfte der Weltbevölkerung. UN-Berechnungen zufolge gibt es im Jahr 2030 bereits fünf Milliarden Städter, viele von ihnen in immer riesenhafteren urbanen Zentren, sogenannten Megastädten. Auch in Deutschland prägt der Trend zur Stadt die Besiedlung; auf dem Land lebt nur noch jeder Dritte.

Entsprechend groß sind die Herausforderungen, vor denen der Lebensraum Stadt steht: Wasser- und Energieversorgung, saubere Luft, Arbeit, Wohnraum, Verkehr und Ressourcenmanagement, aber auch Sicherheit, soziales Miteinander, demografischer Wandel und Zuwanderung sind Handlungsfelder, auf denen sich die Zukunftsfähigkeit städtischer Regionen erweist.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zahlreicher Fachrichtungen befassen sich am KIT mit der Erforschung und nachhaltigen Gestaltung urbaner Räume. Podcaster Philipp Eins hat einige von ihnen getroffen – und danach gefragt, wie das Leben in der Stadt auch in Zukunft lebenswert bleiben kann.

Ein Corporate Podcast fürs Karlsruher Institut für Technologie vom 31. Juli 2017

Leben mit Geräuschempfindlichkeit

Von Philipp Eins

Hundebellen, Lachen, Telefonklingeln, Weckerläuten oder laute Staubsauger – solche Geräusche gehören zum Alltag. Manche Menschen reagieren auf akustische Reize aber sensibler als andere. Wer unter Hyperakusis leidet, bei dem können Geräusche sogar Schmerzen auslösen. Betroffene ertragen es kaum, mit der S-Bahn zu fahren.

Drei Menschen erzählen, wie sie mit Lärm im Alltag umgehen: Ein Imbissbesitzer, der in der Einflugschneise eines Flughafens arbeitet. Eine Sozialpädagogin, die Geräusche schlecht filtern kann und zeitweise unter Hyperakusis leidet. Und ein Musiklehrer, der die Krankheit trotz Therapien nicht los wird.

SWR 2, “Tandem” vom 17.05.2017

Bei den Wolkenkriegern

Von Philipp Eins

Die altperuanische Festungsstadt Kuélap ist eine der spektakulären und doch weitgehend unbekannten archäologischen Stätten Südamerikas. Sie wurde in den Jahren ab 800 nach Christus gebaut und ist damit älter als Machu Picchu.

In Kuélap wohnten bis zu 2000 Chachapoya – ein Andenvolk, das von den Inka „Wolkenkrieger“ genannt wurde. Die Festungsstadt liegt auf knapp 3000 Kilometern Höhe und ist nur schwer zugänglich. Trotzdem haben die Inka die Festung eingenommen. Was verrät die Festungsstadt Kuélap über das Leben der Chachapoya und Inka? Philipp Eins hat die Gegend erkundet.

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Die Retter vom Mittelmeer

Von Philipp Eins

Obwohl die Balkanroute geschlossen ist, gelangen anhaltend viele Flüchtlinge über die zentrale Mittelmeerroute nach Europa. Bis zu 300.000 Menschen erwartet die Grenzschutzagentur Frontex allein in diesem Jahr. Viele von ihnen stammen aus Krisenländern wie Somalia oder Eritrea und sind zuletzt im nordafrikanischen Libyen gestrandet. Auch dort sind sie Willkür und Gewalt ausgesetzt – und nehmen die lebensgefährliche Bootsüberfahrt in Kauf. Einer von 37 Migranten überlebt die Passage nach Italien nicht.

Bei der Rettung Schiffbrüchiger helfen private Initiativen wie SOS Méditerranée. Seit Februar 2016 ist die Crew des Schiffs Aquarius im Mittelmeer unterwegs – und konnte bereits 2000 Flüchtlinge schützen. Derzeit kommen jede Woche 400 bis 600 Menschen an Bord, die anschließend von der Organisation Ärzte ohne Grenzen versorgt werden. Viele der Helfer gehen dabei selbst an ihre Grenzen.

Deutschlandfunk Kultur, “Die Reportage” vom 11. September 2016

Tamer Alawam und der syrische Krieg

Von Robert Dobe

Mit dem Krieg begannen die Kopfschmerzen. Tamer Alawam versuchte sie mit einem Schal zu bekämpfen, den er sich fest um den Kopf schnürte. Er sei abwesend gewesen in der Zeit, erschöpft und launisch, berichten seine Freunde. Tamers Asyl waren Halle und Berlin. Wie ein Geist lief der Regisseur und Aktivist manchmal durch die Straßen, in Gedanken bei seinen Freunden und Verwandten in Syrien.

Kurze Zeit später kehrt er selbst in sein Heimatland zurück, geht ins umkämpfte Aleppo, filmt Krieg und Zerstörung, interviewt Rebellen und Zivilisten. Bis ihn eine Granate trifft, tödlich.

Was trieb ihn an? Was war das Syrien seiner Träume?

MDR Kultur/RBB Kulturradio, Feature vom 28. November 2015

Soundgarden am Samstagabend

Von Nadine Kreuzahler

Er sei ein Getriebener, sagt Douglas Greed von sich selbst. Sein Ventil: die Musik. Seit fast zehn Jahren mischt Mario Willms unter seinem Douglas-Greed-Pseudonym von Jena aus die Technowelt auf. Im Mai erschien sein zweites Album „Driven“ auf dem Berliner Label BPitch Control. Vor seiner Album-Release-Party im Club Ritter Butzke hat Douglas Greed Nadine Kreuzahler im Fritz-Studio besucht und mit ihr über das Getriebensein, Erweckungsmomente und Anfänge im Hip Hop gesprochen. Continue reading

Der Bowie-Moment: Ziggy Stardust, Currywurst und eine Email

Von Nadine Kreuzahler

Der britische Popstar David Bowie ist zurück in Berlin: zwar nicht persönlich, aber seine Notizbücher, Zeichnungen, Videos, Fotos und seine Musik. Zu bewundern sind die rund 300 Original-Objekte in der großen David Bowie Ausstellung, die vom Londoner Viktoria und Albert Museum aus nach Berlin gereist ist. Noch bis zum 10. August gastiert sie im Martin-Gropius Bau. Von Nadine Kreuzahler Continue reading

m-zehn.de

Berlin – Stadt der drei Millionen Geschichten. Alltägliches und Außergewöhnliches: ungeschönt, glaubhaft und persönlich. Eine Hörstück-Serie, begleitet von einer Online-Dokumentation, die plötzlich und mittenrein in fremde Leben führt.

Nadine Kreuzahler, Jenny Marrenbach und Johannes Nichelmann haben mit Menschen aus der Straßenbahnlinie M10 der Berliner Verkehrsbetriebe über die wichtigen Themen des Lebens gesprochen. Zusammen ergibt sich daraus ein multiperspektivisches Klangbild, in dem sich ein Verkäufer einer Obdachlosenzeitschrift und ein Immobilienkaufmann flüchtig begegnen können. 

Die Hörstück-Serie – auf kulturradio vom rbb im Februar 2014 immer Montag bis Freitag um 9:45 und 14:10 Uhr und hier auf dieser Seite das ganze Jahr zum Nachhören.

Nominiert für…

…den PRIX EUROPA 2014 (Online)
…den Crossmedia Preis 2015

Pressestimmen:

“M10: Die denkbar glaubwürdigste Bühne. (…) Herausgekommen sind 24 Hörstücke aus der M10, ein kaleidoskopartiges Soziotop, vom überzeugten Kapitalisten bis zur systemkritischen Krankenschwester, vom Berlin der zwanziger Jahre bis zum nächsten Montag, von Vietnam bis Warschauer Straße.”

(Markus Ehrenberg, “Der Tagesspiegel” vom 01. Februar 2014)

“Und der Straßenfeger Verkäufer berichtet dass er pro Zeitung zehn Euro verdiene. Die meisten wollten das Papier gar nicht haben, sondern nur spenden, was ihn auf die Geschäftsidee mit der papierlosen Zeitung gebracht habe, die paperless news ‘Ich hoffe dass da was draus wird. Ich werde da hinterher sein.’ Was er genau vorhat und ob er schon von der Erfindung des Internets weiß, erfahren wir leider nicht. Aber das ist wohl auch im Sinne einer Reihe mit Begegnungen kurz wie eine Tramfahrt. Oder wie er einer der Tramfahrer formuliert ‘Solange mir hier niemand hinkotzt sollen sie machen.’”

(Juliane Wiedemeier, “Prenzlauer Berg Nachrichten Online” vom 04. Februar 2014)

“Das Format passt sowohl zum Nebenbeimedium Radio als auch in die Digitalära – zumal es sich auch zunutze macht, dass ohne Bildebene der latente Exhibitionismus, der mitschwingt, wenn Menschen sich in sozialen Netzwerken selbst darstellen, weithin entfällt. Und eine Straßenbahn, in der man sich vergleichsweise entschleunigt bewegt und in kurzer Zeit einer großen Zahl anderer Menschen begegnet, ist selbst dann, wenn sie allein akustisch vermittelt wird ein guter Schauplatz. Einsteigen und mitfahren – darauf macht die Serie Lust.

(Christian Bartels, “epd medien” vom 14. Februar 2014)

Foto: © Ali Ghandtschi/ rbb

(Stream von kulturradio.de)