Gestrandet im Maritim

Von Robert Dobe und Duška Roth

Als die Stadt Halle (Saale) 2015 das ehemalige Interhotel Maritim als Erstaufnahmeeinrichtung anmietet, um die vielen hundert Flüchtlinge unterzubringen, brennt in der ersten Nacht schon ein Auto. „Hätte ich in Afghanistan bleiben sollen bis ich sterbe?“ fragt der NATO-Dolmetscher Hamid. Er ist einer von 750 Flüchtlingen, die in der Immobilie zwischen Bahnhof und Markt wohnen.

Auch Nada und ihr Sohn Ahmad lebten dort. In ihrem syrischen Heimatdorf war sie die erste Frau auf den Demonstrationen gegen Assad. Jetzt schaut sie auf die wöchentliche Montagsdemo auf dem Marktplatz in Halle, die mit den Geflüchteten einen greifbaren Anlass zu Hetze gegen Weltpolitik, Stadtverwaltung und Islam gefunden hat.

„Wir werden uns schon aneinander gewöhnen“ sagt Hussein dazu. Er ist ebenfalls Syrer, aber floh aus Katar, weil er das Land verlassen musste und in Syrien Krieg herrscht. Für die anderen Flüchtlinge gibt er Sportunterricht und lernt Klavier.

Während weltweit so viele Menschen auf der Flucht sind wie niemals zuvor, kommen immer weniger Flüchtlinge nach Halle. Nada, Ahmad, Hussein und Hamid leben inzwischen in eigenen Wohnungen und das Maritim ist geschlossen. Das Feature blickt zurück und erzählt von der Entwicklung des Hauses, der Landtagswahl und dem Stadtgespräch. Über 2 Jahre haben die Autoren das Geschehen begleitet und porträtieren die Seele einer Stadt im Zeitalter der Globalisierung.

MDR Kultur/RBB Kulturradio, Feature vom 22. November 2017